Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben uns heute versammelt, um der vielen Toten und Opfer beider Weltkriege zu gedenken.
Wir gedenken auch der schlimmsten und dunkelsten Zeit deutscher Geschichte, der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Wir erinnern heute an die gefallenen Soldaten und Millionen getöteter Zivilisten, die Menschen, die in der Gefangenschaft oder auf der Flucht umkamen, die Menschen, die dem Rassenwahn der Nazis zum Opfer fielen, die Frauen und Männer, die im Widerstand gegen die Diktatur ihr Leben ließen. Die beiden Weltkriege und die NS-Diktatur liegen Jahrzehnte zurück, aber ihre Schatten reichen bis in die Gegenwart und haben die Erinnerungen in unseren Familien nachhaltig geprägt.

Zwar kann die Zeit den Schmerz lindern, aber sie vermag nicht alle Wunden heilen. Das Grauen dieser blutigen Konflikte und furchtbaren Ereignisse macht uns auch heute noch sprachlos vor Betroffenheit.

Der Volkstrauertag ist ein bedeutsamer Teil unseres Umgangs mit unserer Vergangenheit und unserer Geschichte. Er ist ein Tag des Gedenkens und der Mahnung:
Des Gedenkens - damit wir die Schrecken der Vergangenheit nicht verdrängen und deren Opfer nicht vergessen. Und der Mahnung - dass wir immer wieder auf das Neue dafür eintreten, dass sich ein solches sinnloses Blutvergießen nie mehr wiederholt.

Dass Frieden, Freiheit und Demokratie immer noch keine Selbstverständlichkeiten sind, wird uns jeden Tag durch die Medien vor Augen geführt. Trotz zweier verheerender Weltkriege in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts scheint die Menschheit bis auf den heutigen Tag nichts dazugelernt zu haben. Auch gegenwärtig werden viele Menschen Opfer von Krieg, Terror und Blutvergießen. Seien es die Kämpfe in der Ukraine, der Bürgerkrieg in Syrien oder die Schreckensherrschaft des sogenannten Islamischen Staates in Teilen des Nahen Ostens - dies sind nur einige Beispiele, die zeigen, wie viele Menschen täglich ihr Leben verlieren, unterdrückt werden und aus ihrer Heimat fliehen müssen.

Die Zahl dieser Opfer und ihrer Familien, die über den Verlust ihrer Angehörigen trauern, ist unüberschaubar.

Dies muss uns alle mahnen, dass ein Leben in Freiheit, Demokratie und Frieden, so wie wir es seit Jahrzehnten kennen, nicht selbstverständlich auf der Welt ist. Wir können den Frieden nur bewahren, wenn wir immer wieder aktiv für ihn eintreten. Und wir dürfen menschlichem Leid gegenüber nie gleichgültig sein und müssen mutig eingreifen, wenn andere Menschen unsere Hilfe benötigen. Deshalb gilt unser Dank denjenigen, die sich ehrenamtlich engagieren. Sei es in der Flüchtlingshilfe, in den Bürgervereinen, in Schützen- oder Sportvereinen. Dort werden die Grundlagen gelegt für ein friedliches Zusammenleben.

Das sind wir unseren Kindern und allen nachfolgenden Generationen schuldig.

Ich danke Ihnen.